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Vorurteile beim Tragen PDF Drucken E-Mail
von Monique | 07. Juni 2012   

Eltern, die sich völlig instinktiv für das Tragen ihres Babys entschieden haben, kommen schnell mit den Weisheiten anderer Menschen in Kontakt. Hier möchte ich ein paar aufgreifen und auch tatkräftig dementieren:

"Tragen führt zu Haltungsschäden bei Babys!"
Der Spruch "Ist das denn gut für den Rücken?" hat schon jede tragende Mama gehört. Und tatsächlich ist es echte Sorge, die diese Leute hier zum Ausdruck bringen. Und diese Menschen können wir beruhigen. Hierzu gibt es eine Studie von Evelin Kirkilionis, die bei getragenen Kindern statistisch nicht mehr Haltungsschäden nachweisen konnte.
Wenn Eltern afrikanische Länder als Teile dieser Welt als Argument nehmen, in denen nach wie vor das Tragen zum Alltag der Kinder genannt wird, werden hier oft die fehlenden Asphaltstraßen und die Feldarbeit angesprochen, die einen Vergleich mit Mitteleuropa in Frage stellen. Hier stellt sich die Frage der Weltfremdheit, wenn deutsche Kinderärzte der Meinung sind, dass afrikanische Frauen pauschal auf dem Feld arbeiten, und so ihre Kinder eher auf dem Rücken im Tuch "ablegen", als sie wie hier zu tragen. Auch asphaltierten Straßen sind dort in Städten vorhanden, in denen getragen wird.
Das Tragen führt also nicht zu Haltungsschäden. Die Ausreifung der Hüfte wird durch das Tragen gefördert, weiß Dr. Ewald Fettweis. Er preist sogar das Tragen von Babys bei Problemen mit der Hüfte an und empfiehlt Eltern auch das Angebot einer Trageberatung, um die richtige Binde- oder Trageweise zu finden.

"Mütter die tragen, bekommen Rückenprobleme."
Mit der Geburt nimmt eine Frau im Schnitt 10 kg Gewicht ab, die sie vorher tagtäglich mit sich getragen hat. Nach dem Wochenbett ist das häufig noch mehr. Beginnt die Frau nun ihr Baby zu tragen, handelt es sich ganz sicher nicht um zusätzliches Gewicht. Wenn sie ihr Baby von Anfang an trägt, so werden die Muskeln, die für das Tragen benötigt werden, buchstäblich trainiert und auch die Intensität steigert sich mit dem wachsenden Gewicht des Kindes.
Wird das Gewicht des Kindes als schwer empfunden, kann das Baby auf dem Rücken getragen werden und von dort die Welt erkunden.
Wichtig für die Mutter ist dennoch immer, dass sie das Tragetuch korrekt bindet oder eine physiologische Tragehilfe verwendet.

"Durch das Tragen kann ich mein Baby nicht mehr ablegen."
Baby sind von Natur aus Traglinge. Viele Babys reagieren ängstlich, wenn sie abgelegt werden. Das ist völlig normal. Zu Urzeiten hätten diese kleinen Schreihälse sogar besser überlebt, denn sie konnten so sicher nicht vergessen werden. Keine Sorge, jedes Baby wird irgendwann durch das Wohnzimmer robbend seine Entdeckerreisen starten. Aber das benötigt eben etwas Zeit. Und diese Zeit verbringen die Kleinen gerne am Körper einer vertrauten Person. Wenn die Kinder dann mit dem Krabbeln und später laufen beginnen, sind sie kaum noch auf zu halten

"Verwöhne ich mein Baby durch das Tragen?"
Nein. Dafür sollte erst einmal definiert werden, was es bedeuten würde, sein Baby zu verwöhnen. Es hieße, man würde dem Baby etwas abnehmen, was es selbst tun könnte. Und da unsere Babys eben noch nicht so mobil sind, brauchen sie das Getragenwerden. Das hat überhaupt nichts mit verwöhnen zu tun, sondern mit naturgegebenen Bedürfnissen.

"Bekommt das Baby genug Sauerstoff?"
Ja. Hierzu gibt es eine Studie aus Köln, die nachweisen konnte, dass die Sauerstoffsättigung bei Babys während des Tragens super ist. Also kein Grund zur Sorge.

"Im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt!"
Das Tragetuch oder die Tragehilfe ersetzt eine Kleidungslage. So kann ein Baby im Sommer auch nur in Windeln getragen werden. Im Winter wird das Baby durch den warmen Körper der Mutter warmgehalten. Da braucht man keine Wärmflasche wie häufig im Kinderwagen. Außerdem spürt die Mutter beim Tragen viel eher, ob dem Baby zu warm oder zu kalt ist. Vor allem im Winter wird das Tragen empfohlen.

"Ist das nicht gefährlich wenn man dabei hinfällt?"
Natürlich, das kann einem immer passieren. Aber Erfahrungen zeigen das Eltern automatisch ihr Kind dabei schützen. Hast du durchs tragen also beide Hände frei kannst du dich und dein Kind abstützen und euch wird meistens nichts passieren. Mit Kind frei auf dem Arm getragen geht hinfallen meistens so aus: dem Kind passiert nichts aber die Mutter verletzt sich. Denn sie hat keine Hand frei um sich abzufangen.
Was passiert aber beim benutzen eines Kinderwagens wenn du hinfällst? Eine Möglichkeit: Du greifst haltsuchend nach dem Wagen, dieser kann dadurch umfallen. Andere Möglichkeit: Du lässt ihn im Fall los und er kann wegrollen.
Deshalb empfinde ich tragen sogar als sicherer als schieben.
Wichtiger Tip für den Winter: Spikes! Sie sind günstig, lassen sich schnell unter die Schuhe spannen und verhindern ausrutschen selbst auf Glatteis.