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von Conny | 12. Juni 2012   

Tragetücher sind nichts neues!

Bis zur Erfindung des Kinderwagens war es auch bei uns völlig selbstverständlich sein Kind in ein Tuch gebunden immer dabei zu haben.
Oftmals wurde es auf die Hüfte gebunden. Gut ist das auf alten Gemälden zu sehen.

In vielen Ländern ist völlig normal sein Kind an sich zu binden. Hier eine Übersicht.

 

Europa

Deutschland


Interessant ist auch der "Hockmantel", der noch im letzten Jahrhundert im Thüringer Raum benutzt wurde.
Das Kind saß auf der Hüfte der Mutter/Oma/Tante und der Mantel wurde wie ein Cape um den Tragenden und das Kind gewickelt. So wurde das Kind gewärmt und gleichzeitig gehalten.
Leider gerieten solche Hilfsmittel mit der Verbreitung des Kinderwagens in Vergessenheit.

Zur jüngeren Geschichte der Tragetücher in Deutschland:

1971 benutzte Erika Hoffman ein Tragetuch aus Mittelamerika für ihre Zwillinge und gründete durch immer mehr Nachfragen später die Firma Didymos.

So wurde das Tragen auch in Deutschland wieder eingeführt.

Übrigens, auch in der DDR gab es ein Tragetuch! Das "Dyade" Es erinnerte an eine Tischdecke mit Bändern und wurde Slingähnlich auf der Hüfte getragen. Leider war es nicht sehr weit verbreitet - aber auch bei weitem nicht so bequem wie normale Tragetücher.

Es ist auch sehr spannend, sich anzusehen wie in anderen Ländern getragen wird. Es gibt die unterschiedlichsten Trageweisen aus teilweise überraschenden Materialien.  Meistens kommen die Kinder auf den Rücken, da sie so bei allem dabei sind und die Mütter ihre Hände frei haben für Arbeiten und auch die Geschwisterkinder.

 

Großbritanien

 

In Großbritannien, in Wales heißt das traditionelle Tragetuch Welsh Blanket.

Die Tücher sind karriert, die Trageweise erinnert an den Hüftsitz. Sie sind recht dick, eher deckenartig und haben eine Waffeleisen ähnliche Strucktur.

 

Die traditionelle Tracht des Hockmantels im Thüringer Raum ist leider heute nicht mehr verbreitet.

Die Kinder saßen auf der Hüfte und wurden durch den Cape artigen Mantel an den Tragenden gewickelt. Es war aber noch immer ein Arm nötig, der das Kind hielt.

 

Afrika

Es wird meist mit dem Kanga getragen.

Der Kanga ist ein rechteckiges Stück Baumwoll Stoff, das auch als Kleidungsstück genutzt wird. Die Babys und Kinder werden von Anfang an auf dem Rücken getragen. Die Mutter beugt sich vor, legt das Kind auf ihren Rücken und zieht den Kanga über ihr Baby.
Dann wird die obere Kannte der beiden Tuchenden schön fest gezogen und vorm Bauch ineinander gedreht. (So, wie wir ein Handtuch um die Hüften binden würden.) Die Enden der unteren Kannte werden ebenfalls gut festgezogen und dann verknotet.

Diese Trageweise ist erstaunlich stabil und auch gesund für Kind und Mutter. Außerdem verblüfft natürlich gerade uns die wir spezielle Tragetücher verwenden die Selbstverständlichkeit mit der einfach ein Stück Stoff genommen wird und schon winzigste Babys auf den Rücken gebunden werden.

 

Asien:

 

China

Der Mei Tai: Er stammt aus China und wird ebenfalls meist als Rückentrage benutzt.

Er ist im Prinzip ein 4 eckiges Stück Stoff mit 4 Bindebändern an den Ecken. Erst um die Hüfte gebunden, das Baby reingesetzt, dann die oberen Träger vorm Bauch kreuzen, wieder nach hinten führen und unter dem Kind verknoten. Fertig.

Diese umsetzung des Tragens ist so genial und praktisch, dass in den letzten Jahren auch bei uns viele Abwandlungen des Mei Tais auf den Markt gekommen sind.

Alle erhältlichen empfehlenswerten Babytragen sind auf diesem Grundprinzip aufgebaut. Die Babys können in den Tragen die so wichtige Anhockspreizhaltung einnehmen. Das Hauptgewicht für den Tragenden sitzt auf dem Hüftgurt und die Trage kann sehr gut festgezogen werden.

Hier ein paar Beispiele von modernen Umsetzungen des Mei Tais: My Sol, Ergo Baby Carrier, Manduca, Hop tye, Bondolino, Storchenwiege Carrier und der Marsupi Plus.

 

Korea

Der Poedagi stammt aus Korea:

Diese Trage ist ebenfalls ein Stück viereckiges Stoff, er hat nur oben Bindebänder. Das Kind kann auf dem Rücken, der Hüfte oder vorm Bauch getragen werden. Die Bindeweise ist ähnlich wie beim Mei Tai, nur der Hüftgurt fehlt. Das Rückenteil ist recht lang und wird durch die Bindebänder unterm Po des Kindes fixiert. Sehr vielseitig durch die nicht festgelegte Stegbreite aber etwas schwerer anzulegen.

 

Vietnam/Thailand

In Vietnam und Thailand wird traditionell der Hmong getragen.

Diese Trage hat das gleiche Prinzip wie der eben genannten Poedagi, aber ein schmaleres Rückenteil. Das Rückenpanel ist oftmals aus wunderschön bestickten Stoffpanelen.

 

Südkorea

Der Chunei aus Südkorea.

Der Chunei sieht aus, wie eine Mischung zwischen Manduca und Weste. Das Kind kann hinten oder vorne getragen werden. Es sitzt hinten in der Trage die vorne wirklich wie eine Weste aussieht. Vorne werden noch zusätzlich Schnallen geschlossen.

 

Japan

In Japan wird im Onbuhimo auf dem Rücken getragen.

Auch diese Trage ist ein Viereckiges Stoff Stück und hat oben Bindebänder. An den unteren Ecken sind Schlaufen oder in modernen Versionen auch Ringe.

Das Kind sitzt auf dem Rücken. Die oberen Bindebänder werden über die Schultern der Mutter nach vorne geholt. Dabei auf Spannung gehalten, nach unten geführt und durch die Schlaufen gezogen. Danach vorm Bauch verknoten und fertig.

 

Indonesien

Der Selendang aus Indonesien.

Auch der Selendang ist ein Tragetuch in wunderschönen Farben. Hier wird in der Trageweise Hüftsitz getragen.

 

Grönland

Grönland mit dem Amouti:

Inuit Frauen tragen in der Kapuze ihres Amouti. Die Tragemäntel sind aus Robbenfell.

Das Baby wird vorher in Tücher gepackt und kunstvoll verschnürt. Dann wird es in die Kapuze genommen. Die Position wird mit Bändern geregelt. Ganz Kleine sind weit unten in der Kapuze und atmen so die schon erwärmte Luft. Je älter die Kinder werden desto weiter nach oben kommen sie.

 

Amerika:

 

Mexiko

In Mexiko wird mit Tüchern getragen die Rebozo heißen.

Sie sind sehr bunt und haben meistens Fransen. Die Tragetücher werden auf dem Rücken oder auch auf der Hüfte gebunden. Die Rücken Bindeweise ähnelt unserem Hüftsitz. Auf der Hüfte wird zum Beispiel in einer Art Kreuztrageweise gebunden. Sie werden auch ohne Kind als Stola getragen.

 

Peru

Die Tragetücher in Peru heißen Mantas und sind den Mexikanischen Tüchern ähnlich. Auch hier werden sie ebenfalls als Kleidungsstücke benutzt.

 

Nordamerika

In den Papoose oder Cradleboards Holzgestellen der Indianer Stämme Nordamerikas werden die Babys ebenfalls geschnürt und dann auf dem Rücken getragen.

Diese Gestelle werden teilweise auch heute noch genutzt. Sie unterscheiden sich bei den verschiedenen Stämmen.